Von Rübensaft und Kohlenklau
Suchend stehe ich vor dem Marmeladenregal im Supermarkt, als mir ein gelber Becher mit der Aufschrift „Grafschafter Goldsaft“ auffiel. Nun muss ich zugeben, dass ich diesen Becher noch nie bemerkt hatte. Und da meine Neugierde seinesgleichen sucht, habe ich schnell nach rechts und links gesehen, ob die Luft rein war und habe den Deckel des Bechers entfernt. Ich habe es fast geahnt. Es war Rübensaft darin. Ich roch daran und ließ mich in meine Kindheitserinnerungen fallen. Plötzlich war ich im Jahr 1946.
Mein Vater kam aus dem Krieg mit erfrorenen Unterschenkeln, die sie ihm amputiert haben. Er wurde von Woche zu Woche vertröstet, dass er seine Prothesen bekommen sollte.
Nichts geschah.
Obwohl der Orthopäde mit unseren wenigen Habseligkeiten gespickt wurde, und meine Mutter seine Familie bestrickte - tat sich nichts. Ich sehe meinen Vater am Wohnzimmertisch sitzen und Wachstuchtiere fertigen. Hatte er eine gewisse Menge fertig, wurden diese von der Firma „Spielwaren Gerschler“ Kleine Burg, abgeholt.
Ein schmaler Verdienst kam dabei herum, aber das war in dieser Situation zweitrangig.